Die Ost- und die Westseite des Rathauses - crempa

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Die Ost- und die Westseite des Rathauses

Rathaus von 1570
DiTraufseiten des Rathauses

Die Traufseiten des Rathauses zeigen im Osten zur Reichenstraße und Hökerstraße und im Westen zur Rathausstraße. Sie sind nur im Erdgeschoss massiv aus Backsteinen aufgemauert. Das Obergeschoss dagegen ist als Fachwerk aufgeführt. Diese Konstruktionsweise war damals kostengünstiger. Dennoch wurde der Repräsentationscharakter an den Seitenwänden durchgehalten:
-  Zum einen natürllich durch das kräftige Mauerwerk im Parterre, in das große, dreiflügelige und bleiverglaste Fenster eingeschnitten sind, die mit Formsteinen und weißen Blendbögen geschmückt sind. Nach oben werden sie durch Taustab-Bögen abgeschlossen. Das Erdgeschoss setzt so die Stilelemente der Giebelfront fort.

-  Zum anderen durch die (fast) durchgehende, ebenfalls bleiverglaste  Fensterzeile des ersten Stocks, deren Fenster die Fächer zwischen den Ständern vollständig ausfüllen.   Hervorzuheben sind auch die vorkragenden, mit reichem Schnitzwerk verzierten und bemalten Schwellbalken und Konsolen (Knaggen). 

Die Ostseite
Die Fenster des Erdgeschosses gehören zum Ratskeller-Betrieb: links die Küchenfenster - früher befand sich hier das Achtbürger-Zimmer, die Stadtkämmerei - und rechts das Fenster der Restauranthalle. In ihr war früher die große Lagerhalle untergebracht.
Die Fenster des Obergeschosses gehören links zum Sitzungszimmer, dem ehemaligen Rats- und Gerichtszimmer, und rechts zu einem Verwaltungszimmer.
Das Dachgechoss dient heute Wohnzwecken.
Die große Gaube enthielt vor 1908 eine Ladetür zum Dachboden, die durch ein Zimmerfenster ersetzt wurde.

Der Haupteingang zum Rathaus war ursprünglich an der Ostseite, während sich an der Vorderseite zum Markt nur der Zugang zum Ratskeller befand. Durch die Seitentür betrat man hier die große Lagerhalle und konnte über eine frei stehende Wendeltreppe die darüber liegenden Stockwerke erreichen. Diese musste in den 1980er Jahren einem feuersicheren Treppenflur weichen. 
Im Rahmen der vereinfachenden Rathausrenovierung von 1784 war die Tür zwischenzeitlich vermauert und durch ein Fenster ersetzt worden. Die alte Sandsteintafel neben der Tür verweist auf den Rathausumbau von 1784.

Das kleine Seitenfenster daneben ist von 1908/09. Seine Funktion ist unklar und wird von Harald Bolten als Durchreiche für die Laufkundschaft des damaligen Gastbetriebs beschrieben.


 
Die Westseite
Die Fensterreihe des oberen Stocks ist seit der Renovierung von 1908 wieder vollständig. Rechterhand befindet sich der Versammlungssaal, der früher fast das gesamte Stockwerk umfasste, und linkerhand das Zimmer des Bürgermeisters.
Die Struktur des Erdgeschosses weicht von der der Ostseite ab, denn die beiden Fenster der Gaststube des Ratskellers sind kleiner als die linksseitigen, die zum Saal des Restaurants gehören. Dies erklärt sich daraus, dass sich unter ihnen der eigentliche (Halb-)Keller des Rathauses befindet, dessen Oberlichter ebenerdig erkennbar sind. Gaststube und Halbkeller bildeten früher das Ensemble von Ratskeller und Schankstube.

Verzierungen im Fachwerk 
Bemerkenswert sind an dieser Stelle die beiden Schnitzfiguren, die sich an der SO- und SW Ecke des Hauses in der vorderen Konsole des oberen Schwellbalkens befinden. 

Auf der Westseite erkennt man einen Mann mit Federhut und weit ausladender Kniebundhose. In den Händen hält er eine langstielige Axt mit breiter Klinge und einen keulenförmigen Klüpfel. 
Häufig wird er als Wächterfigur oder Landsknecht gedeutet. Doch dann sollte er in dieser Zeit nicht mit Streitaxt und Keule ausgestattet sein, sondern zumindest einen Spieß oder besser eine Hellebarde tragen, um feindliche Personen auf Distanz zu halten. 
Hier handelt es sich um Werkzeuge. Wahrscheinlich haben sich die Zimmerleute mit dieser kleinen Figur ein Erinnerungszeichen setzen wollen.

Nicht ganz so einfach lässt sich die Figur an der Ostseite deuten. Vielfach wird das Kreuz in der Richtung interpretiert, dass es ein kirchliches Zeichen sei, das auf einen Priester schließen lasse. 
Das Kreuz befindet sich jedoch auf einer Kugel und stellt ein Symbol weltlicher Macht dar - einen sog. Reichsapfel, der als traditioneller Bestandteil der Insignien eines Herrschers zu verstehen ist. Da das Rathaus nicht Sitz eines Herrschers ist, lässt sich diese Kreuz-tragende Kugel deuten im Sinne der herrschaftlichen Machtübertragung an die Stadt (Stadtrechtsbewidmung), die sich im Rathaus verkörpert. 
Der kaum bekleidete Mann mit krausem Haar ist also keine Karikatur eines Geistlichen, sondern dürfte einen wilden Mann darstellen, wie er lebensgroß an der Tür der Gerichtszimmers abgebildet ist. Entsprechend versinnbildlicht das kleine Männchen das landesherrlich übertragene Stadtrecht, das der im Rathaus tagende Rat der Stadt ausübt. 
  
 
 
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