Die Sankt Peter Kirche - crempa

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Die Sankt Peter Kirche

Kirche
St. Peter-Kirche zu Krempe

Krempes klassizistische St. Peter-Kirche ist ein gut erhaltenes, stilgerecht renoviertes evangelisch- lutherisches Gotteshaus aus dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts mit einigen sehenswerten Besonderheiten.

Schon von Weitem erblickt der Besucher Krempes den Kirchturm in der viertürmigen Stadtsilhouette, der als höchster das Turm-Panorama der Stadt überragt. Seine ungewöhnliche Form, die sich als Addition verschiedener geometrischer Körper darstellt, zieht die Aufmerksamkeit auf sich.
Im Ort erreicht man die Kirche vom Marktplatz aus über das kleine Gässchen Twiet, das ostwärts auf das Haupt-Eingangsportal zuführt.

Der äußerlich mächtige, aber betont schlicht gehaltene Bau wurde als dreischiffige Hallenkirche mit einer Tonnendecke und halbrunder Apsis konzipiert. 
Er wurde vom holsteinischen Bauinspektor Friedrich Christian Heylmann (1771 - 1837) entworfen und von 1828 bis 1835 errichtet.
Heylmann war ein eng vertrauter Schüler des dänischen Oberbaudirektors Christian Frederik Hansen, des bekannten und führenden klassizistischen Architekten im nördlichen Raum ("Schinkel des Nordens"). Heylmann orientierte sich bei seinem Kremper Entwurf sehr stark an Hansens Prinzipien und Ideen zur Kirchengestaltung, ohne sie einfach zu kopieren. So verwundert es nicht, dass eine deutliche Verwandschaft mit dessen Kirchenbauten in Husum, Neumünster und Kopenhagen (Frauenkirche) besteht.

Ungewöhnlich wirkt der Turm, der sich aus einfachen geometrischen Formen zusammensetzt:
  • ein zur Hälfte in die Westwand eingelassener Quader als Basis,
  • darüber ein Zylinder, der von einer Halbkuppel abgeschlossen wird,
  • darauf aufsitzend eine zylindrische Laterne mit einem kegelförmigen Dach.
  • Auf ihm thront eine Spitze mit vergoldeter Kugel und verzierter Fahne.

Der 38 m hohe, gedrungene Turm mit Kuppel und aufgesetzter Laterne grenzt sich auffällig ab von den fast doppelt so hohen Turmgestalten der Vorgängerkirche. Er erscheint wie ein "Leuchtturm", der die Gemeinde durch die raue See des Lebens leitet, während die hohen, spitzen Türme der  alten Kirche eher wie ein drohender "Zeigefinger Gottes" in den Himmel ragten.

Im Gegensatz zur vorherrschenden Ornamentierung klassizistischer Kirchen verzichtete Heylmann - mit Ausnahme des Haupt- und des Nebenportals - ganz auf plastisch hervortretende Rahmungen oder Bedachungen der Fenster und schnitt sie einfach in die glatten Backsteinwände ein. Auch folgte er nicht seinem Lehrmeister und Vorbild C. F. Hansen hinsichtlich der Wandgliederung. Dieser bildete die Stockwerke des Kircheninneren in den Außenwänden ab, indem er sie durch hervortretende Friese abgrenzte und jedem Stockwerk eigene, eigenständig ornamentierte Fensterreihen zuwies. Heylmann dagegen schuf hohe, Stockwerk übergreifende Fensteröffnungen, wie sie in der Gotik oder im Barock anzutreffen sind. So brachte er viel Licht in das Gotteshaus.

Interessant, aber ungewöhnlich ist auch die Verwendung von Spitzbögen im oberen Halbrund der großflächigen Kirchenfenster.
Sie stellt eine stilistische Konzession an die aufkommende neogotische Ausrichtung im Kirchenbau der Zeit dar, ohne den klassizistischen Gesamteindruck zu verfälschen.

Das Hauptportal im Westturm ist betont schlicht verziert: glatte Pilaster mit vereinfachten dorischen Kapitellen tragen ein einfaches Gebälk sowie ein nicht weiter dekoriertes Giebeldreieck. Diese ornamentarme Gestaltung ist zum einen der nah angrenzenden Bebauung geschuldet, die ein repräsentativer geformtes Portal optisch nicht zu Geltung kommen lassen würde.

Zum anderen stimmt sie die Gotteshausbesucher ein auf die festliche, ernste Athmospäre des griechisch-römischen Stils im Inneren des Gotteshauses, die in dem feierlichen, würdigen Kanzelaltar gipfelt. Dieser wird gerahmt von einer Ädikula aus hohen, weißen Kollossalsäulen mit korinthischen Kapitellen. Auf ihnen liegt ein mit goldenen Engelsköpfen verziertes Gebälk. Dieses trägt das mehrfach mit Friesen verzierte Dreieck, das von einem Kreuz bekrönt wird.
Ungewöhnlich für die klassizistische Kirchenarchitektur und sehenswert ist die Farbgebung des Innenraums. Heylmann hatte sich die Herstellung der Farbtöne ausbedungen. Alle Farben wurden nach seinen Anweisungen angemischt und aufeinander abgestimmt. Den Wunsch, kostengünstigere Fertigfarben zu verwenden, lehnte er strikt zum Leidwesen der finanzschwachen Gemeinde ab.

Wer die Kirche betritt, wird umfangen von ihrer hellen, warmen Ausstrahlung, die durch die rosa Silicatfarbe der Wände erzielt wird. Diese entspricht nach restauratorischen Untersuchungsbefunden dem Klang der originalen Farbwahl. Durch die Vielzahl der Wandflächen wird Rosa zum dominanten Farbakzent der Kirche.
Die Entscheidung für eine rosa Kirche ist im Zusammenhang mit klassizistischer Architektur ungewöhnlich, da diese weiße und graue Farbtöne entsprechend den griechisch-römischen Vorbildern bevorzugt.

Zur Geschichte der Kremper Kirchen
Rechts und links von der Eingangstür im Innern der Kirche stehen Modelle der Vorgängerkirche. Sie geben Anlass zu einigen Ausführungen über die Geschichte der Kremper Kirchen.
Die Gründung der ersten, damals noch kleineren Kirche in Krempe wird um 1200 erfolgt sein in Zusammenhang mit der Eindeichung und Urbarmachung des Marschlandes links und rechts der Kremper Au. Damals wurde das Land von angeworbenen Siedlern eingedeicht, so dass nördlich der Au der Grevenkoper Koog entstand und südlich der Krempdorfer Koog.
Das Gotteshaus wurde auf dem erhöhten südlichen Ufer in einer Flussschleife errichtet - an ihrem heutigen Standort. Hier im Überschneidungsbereich beider Köge war sie für beide Siedlergruppen gut erreichbar. Nachdem die Stadt Krempe in diesem erweiterten Bereich gebildet worden war, lag die Kirche in der Stadt.

Über das Gründungsjahr liegen keine Quellen vor. Ein erstes schriftliches Indiz auf den bestehenden Kirchort liefert eine Urkunde des Klosters Uetersen (1240). In ihr wird ein Kirchherr Godescalus aus Krempe zum Propst des Klosters berufen. Eine Kirche muss folglich zu diesem Zeitpunkt schon bestanden haben. (Klick aufs Foto = Vergrößerung)
Zum Kirchspiel Krempe gehörten von Anbeginn Krempdorf und Krempe sowie Grevenkop und Grevenkoper Riep. Später kam das 1260 erstmals erwähnte Elskop hinzu. Zudem zählten einige externe Häuser zum Kirchspiel. Der Name St. Petri wird schon in alten Schriften geführt.
1495 bekam die Kirche einen hoch aufragenden spitzen Turm, in dem 1506 die legendäre Glocke "Maria" aufgehängt wurde. Er war 224 Fuß hoch (~67 m), sein Helm allein 140 Fuß davon. Auf Grund seiner alles überragenden Höhe diente er u.a. der Elbschifffahrt als Landmarke. Das Aussehen von Kirche und Turm ist bekannt aus einem Stich der Kremper Festung (1588, Braun-Hogenberg).
Die Ursprungskirche war einschiffig und wurde erst in späterer Zeit erweitert. So erhielt sie erst in den 1520-er Jahren auf der Südseite ein zusätzliches Schiff, die sog. Neue Kirche.
In der Nacht vom 14. auf den 15. Februar 1648 wütete ein schwerer Sturm in den Elbmarschen und brachte verschiedene Kirchtürme zum Einsturz - so auch den Kremper Turm. Dieser und Teile des Daches wurden beschädigt , aber die Stundenglocke überstand den Sturz unbeschadet.

1654 wurde eine neue, barocke Turmhaube gezimmert. Sie war 240 Fuß (~72 m) hoch. Das Modell in der Südecke zeigt die Kirche mit ihrem zweiten Turm
1814 wurde Krempe von schwedischen Truppen besetzt und die Kirche zum Pulverlager umfunktioniert. Eine Explosion - durch die Unachtsamkeit eines Soldaten verursacht - zerstörte sie bis auf die Grundmauern.

Eine neue Kirche sollte auf dem Fundament der alten errichtet werden. Als Architekt wurde der Bauinspektor Friedrich Christian Heylmann gewonnen. Die Planungsphase und der Bau zogen sich aus verschiedenen Gründen lange hin, so dass das Kirchenschiff erst 1832 geweiht werden konnte. Der Turm wurde erst 1835 fertig getellt.

Drei Kirchen?
Häufig wird von den drei Kremper Kirchen gesprochen. In Wirklichkeit waren es zwei Kirchen, aber drei Turmformen.
Dieses ist zum einen die Ursprungskirche, die mit dem Beginn der Besiedlung der Krempermarsch errichtet wurde. Sie wurde im Laufe der Jahrhunderte den Bedürfnissen der Gemeinde entsprechend erweitert. Auch wenn sie nach dem Sturmschaden durch die den barocken Helm ein erheblich verändertes Aussehen erhielt, handelt es sich immer noch um dieselbe Kirche, da ja nur der Turm und Teile des Dachs erneuert werden mussten.
Erst der Brand von 1814 zerstörte das ungefähr 600 Jahre alte, ehrwürdige Gebäude und erforderte einen Neubau. Es ist zu wünschen, dass diesem nach all den umfassenden Sanierungen nun ein zumindest ebenso langes Bestehen wie der Vorgängerkirche beschieden sein wird.

Vertiefende und weiterführende Literatur:
- Lothar Wittorf, Die St. Peter-Kirche, Kleine Crempa-Bibliothek – No. 1, Krempe 2015
- Klaus-J. Lorenzen-Schmidt, Geschichte der Stadt Krempe im Überblick, in: Kremper Chronik, Heide, 2009
- Klaus-J. Lorenzen-Schmidt, Streitigkeiten um eine Vikarie der Kremper Kirche in der Reformationszeit, in: Jb. Steinburg 24 (1980), S. 91 – 101
- Carsten Büldt, Protokoll des Neubaus der Kirche von 1828 bis 1839, im Kirchenarchiv Krempe
- Kirchen-Chronik St.Peter zu Krempe, wörtliche Abschrift vom Original von Friedrich Becker, 2005
- Hermann Ruhe, Chronik der Stadt Krempe, Glückstadt-Hamburg-New York, 1938
- Goecke-Seischab / Ohlemacher, Kirchen erkunden, Kirchen erschließen, Köln, 2010
 
 
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